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Dizang Wang: Der Bodhisattva, der schwor, die Hölle zu leeren

· Immortal Scholar \u00b7 5 min read

Dizang Wang: Der Bodhisattva, der schwor, die Hölle zu leeren

Einführung: Der Wächter der Unterwelt

Im schattigen Reich zwischen Leben und Tod, wo Seelen dem Urteil und karmischer Vergeltung gegenüberstehen, steht eine Figur als größter Anwalt der Menschheit: Dizang Wang Pusa (地藏王菩薩), bekannt im Sanskrit als Kṣitigarbha Bodhisattva. Sein Name bedeutet "Erdenspeicher" oder "Erdenschatz" und spiegelt seine Rolle als Hüter des spirituellen Reichtums wider, der im Erdinneren und in den Tiefen der Hölle verborgen ist.

Im Gegensatz zu anderen Bodhisattvas, die in himmlischen Paradiesen verweilen, hat Dizang ein außergewöhnliches Gelübde abgelegt, das ihn im buddhistischen Pantheon hervorhebt: Er schwor, nicht zur Buddhaschaft zu gelangen, bis alle Höllen geleert und jedes leidende Wesen gerettet ist. Dieses selbstlose Engagement hat ihn zu einer der beliebtesten Figuren im ostasiatischen Buddhismus gemacht, insbesondere in China, wo sein Kult seit über einem Jahrtausend floriert.

Die großen Gelübde: Ein Versprechen, das die Zeit übersteigt

Die Grundlage von Dizangs Identität beruht auf seinen si da yuanwang (四大願望) — den Vier Großen Gelübden — obwohl verschiedene Texte seine Verpflichtungen unterschiedlich beschreiben. Die bekannteste Erklärung findet sich im Dizang Pusa Benyuan Jing (地藏菩薩本願經, Sutra der vergangenen Gelübde des Erdenspeicher-Bodhisattva):

> "Wenn die Höllen nicht leer sind, schwöre ich, nicht zum Buddha zu werden. Erst nachdem alle Wesen gerettet sind, werde ich Bodhi erreichen." > > 地獄不空,誓不成佛;眾生度盡,方證菩提 > > Dìyù bù kōng, shì bù chéng fó; zhòngshēng dù jìn, fāng zhèng pútí

Dieses Gelübde stellt eine nahezu unmögliche Aufgabe dar. In der buddhistischen Kosmologie durchlaufen Wesen kontinuierlich die liudao (六道, Sechs Bereiche der Existenz) basierend auf ihrem Karma. Solange fühlende Wesen negatives Karma durch Gier, Hass und Illusion erzeugen, werden die Höllen ständig neue Bewohner empfangen. Dizangs Gelübde ist daher im Wesentlichen ewig — ein Versprechen, in den dunkelsten Ecken der Existenz zu verweilen, solange das Leiden anhält.

Ursprünge und frühere Leben: Die fromme Tochter

Die Dizang Jing erzählt von mehreren Inkarnationen des Bodhisattva, wobei die bewegendste sein Leben als xiaonü (孝女, fromme Tochter) namens Guangmu (光目, "Helle Augen") ist. In dieser Geschichte hatte Guangmus Mutter zahlreiche böse Taten begangen und war ohne Reue gestorben. Von Sorge um das Schicksal ihrer Mutter erfüllt, verkaufte Guangmu all ihre Besitztümer, um Opfergaben an eine Buddha-Statue zu bringen, und betete verzweifelt um Informationen über die Wiedergeburt ihrer Mutter.

Durch ihre aufrichtige Hingabe erhielt Guangmu eine Vision ihrer Mutter, die im Wujian Diyu (無間地獄, Avici-Hölle) litt — der tiefsten und schrecklichsten aller Höllen, wo die Qual unaufhörlich und unvorstellbar ist. Der Kummer der jungen Frau war so tief, dass sie ein Gelübde ablegte: Sie würde nicht nur ihre Mutter retten, sondern alle Wesen, die in den Höllen leiden, egal wie lange es dauern würde.

Diese Erzählung von kindlicher Pietät fand tiefen Anklang in der chinesischen Kultur, wo xiao (孝, kindliche Hingabe) als die höchste Tugend gilt. Indem das Sutra Dizangs Mitgefühl durch die Linse der Liebe einer Tochter zu ihrer Mutter rahmte, machte es das abstrakte Gelübde des Bodhisattva greifbar und emotional kraftvoll für das chinesische Publikum.

Ikonographie: Der Mönch, der durch die Hölle geht

Dizangs visuelle Darstellung ist unter den Bodhisattvas einzigartig. Während Figuren wie Guanyin Pusa (觀音菩薩, Avalokiteśvara) in fließenden Roben mit aufwendigem Schmuck erscheinen, wird Dizang typischerweise als einfacher buddhistischer Mönch dargestellt. Er trägt die jiasha (袈裟, Kasaya-Robe) und hat oft einen rasierten Kopf, was monastische Einfachheit und Entsagung verkörpert.

Seine zwei Hauptattribute sind:

Der Khakkhara-Stab (錫杖, xīzhàng): Ein gerippter Stab, der beim Gehen durch die dunklen Gänge der Hölle klingelt. Der Klang warnt die Wesen vor seiner Anwesenheit und öffnet die Tore ihrer Gefängnisse. In chinesischem Volksglauben kann dieser Stab auch die Erde selbst aufbrechen, um verborgene Schätze zu offenbaren oder diejenigen zu retten, die lebendig begraben sind.

Die Wünsche erfüllende Perle (如意寶珠, rúyì bǎozhū): Eine leuchtende Perle, die Dunkelheit vertreibt und Wünsche erfüllt. Im Kontext der Unterwelt repräsentiert diese Perle das Licht der Weisheit, das selbst die tiefste Hölle erhellen kann, und den spirituellen Reichtum, der Seelen von Qualen erlösen kann.

Oft wird Dizang von seinen zwei Begleitern begleitet: Daoming (道明, "Heller Pfad") und Minggong (明公, "Heller Herzog"), die ihm bei seiner Mission helfen. In einigen Darstellungen reitet er auf einem dilong (地龍, Erddrachen) oder tianlong (天龍, Himmelsdrachen), was seine Meisterschaft über sowohl irdische als auch übernatürliche Bereiche symbolisiert.

Die zehn Könige der Hölle: Dizangs Reich

In der chinesischen buddhistischen Kosmologie wird die Unterwelt von den Shi Dian Yanwang (十殿閻王, Zehn Könige der Hölle) verwaltet, die jeweils über einen anderen Gerichtshof herrschen, in dem Seelen entsprechend ihren karmischen Schulden beurteilt und bestraft werden. Dizang Wang dient als die höchste spirituelle Autorität über diese bürokratische Unterwelt, obwohl er nicht urteilt — stattdessen plädiert er für Barmherzigkeit und bietet Wege zur Erlösung an.

Die Reise durch die zehn Höhlen ist erschütternd:

1. Erster Gerichtshof (Qinguang Wang, 秦廣王): Erstes Urteil und Zuweisung zur entsprechenden Hölle 2. Zweiter Gerichtshof (Chujiang Wang, 楚江王): Bestrafung für korrupte Beamte und medizinisches Fehlverhalten 3. Dritter Gerichtshof (Songdi Wang, 宋帝王): Vergeltung für Undankbarkeit und Respektlosigkeit 4. Vierter Gerichtshof (Wuguan Wang, 五官王): Urteil für Steuerhinterziehung und Geschäftsbetrug 5. Fünfter Gerichtshof (Yanluo Wang, 閻羅王): Der bekannteste König, der Mord und Raub bestraft 6. Sechster Gerichtshof (Biancheng Wang, 卞城王): Umgang mit Blasphemie und Zerstörung heiliger Texte 7. Siebter Gerichtshof (Taishan Wang, 泰山王): Bestrafung derjenigen, die mit Menschenfleisch handeln und Gräber verletzen 8. Achter Gerichtshof (Dushi Wang, 都市王): Vergeltung für kindliche Undankbarkeit 9. Neunter Gerichtshof (Pingdeng Wang, 平等王): Urteil für Brandstiftung und Abtreibung 10. Zehnter Gerichtshof (Zhuanlun Wang, 轉輪王): Bestimmung der nächsten Wiedergeburt

In jeder Phase erscheint Dizang, um für Nachsicht zu plädieren, Lehren anzubieten und Möglichkeiten zur Reue zu schaffen. Seine Präsenz verwandelt die Situation...

Über den Autor

Götterforscher \u2014 Forscher für chinesische religiöse Traditionen.

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