Volksgötter Chinas: Die Gottheiten, zu denen deine Großmutter betet

Volksgötter Chinas: Die Gottheiten, zu denen deine Großmutter betet

Die wahre Religion

Akademische Diskussionen über die chinesische Religion konzentrieren sich auf Daoismus, Buddhismus und Konfuzianismus. Aber die Religion, die die meisten Chinesen tatsächlich praktizieren, ist der Volksglauben (民间信仰,mínjiān xìnyǎng) — eine synkretische Mischung aus all diesen Traditionen sowie lokalen Überzeugungen, Ahnenverehrung und pragmatischer Aberglauben.

Die Götter des Volksglaubens sind keine abstrakten kosmischen Prinzipien. Sie sind praktische Helfer — Gottheiten, die spezifische Probleme für bestimmte Menschen lösen.

Guanyin (观音): Die universelle Helferin

Guanyin — die Göttin der Barmherzigkeit — ist die am weitesten verehrte Gottheit im chinesischen Volksglauben. Sie wird für praktisch alles angerufen: Gesundheit, Fruchtbarkeit, Sicherheit, Prüfungserfolg, Geschäftserfolg und Schutz vor Katastrophen.

Ursprünglich war sie der buddhistische Bodhisattva Avalokitesvara (männlich im indischen Buddhismus). Guanyin wurde in der chinesischen Kultur allmählich feminisiert — sie wurde zu einer mütterlichen Figur, die Mitgefühl und bedingungslose Liebe verkörpert. Sie ist die Gottheit, an die die Chinesen sich wenden, wenn sie sonst niemanden haben.

Ihre Tempel sind die meistbesuchten in China. Ihr Bild erscheint in Häusern, Geschäften, Krankenhäusern und Taxis. Sie ist nicht nur eine religiöse Figur — sie ist eine kulturelle Konstante.

Caishen (财神): Der Reichtumsgott

Caishen — der Gott des Reichtums — ist die Schutzgottheit des chinesischen Geschäfts. Sein Bild erscheint in fast jedem chinesischen Laden, Restaurant und Büro. Er wird als rundlicher, lächelnder Mensch dargestellt, der Goldbarren hält oder auf einem Tiger reitet.

Es gibt tatsächlich mehrere Reichtumsgötter — zivile Reichtumsgötter (文财神), die beständigen Wohlstand durch ehrliche Arbeit bringen, und militärische Reichtumsgötter (武财神), die unerwarteten Reichtum durch mutiges Handeln bringen. Guan Yu (der vergöttlichte General der Drei Königreiche) dient als militärischer Reichtumsgott. Leser mochten auch Der Küchengott: Der Spion des Himmels in jedem chinesischen Zuhause.

Der Küchengott (灶神)

Jeder chinesische Haushalt hat traditionell einen Küchengott — eine Gottheit, die das Verhalten der Familie im Laufe des Jahres überwacht und am 23. Tag des 12. Mondmonats an den Jade-Kaiser berichtet.

Vor dem jährlichen Bericht des Küchengottes führen die Familien ein Ritual durch: Sie streichen Honig oder Zucker auf das Bild des Küchengottes, um seine Worte zu versüßen, und verbrennen dann das Bild, um ihn in den Himmel zu senden. Ein neues Bild wird am Neujahrstag aufgestellt.

Der Küchengott ist die intimste Gottheit im chinesischen Volksglauben — er lebt in deiner Küche, beobachtet deine Familie und beurteilt dein Verhalten. Gleichzeitig ist er eine religiöse Figur und ein moralisches Überwachungssystem.

Der Erdgeist (土地公)

Jedes Dorf, jeder Stadtteil und manchmal jede Straße hat einen Erdgeist — eine lokale Gottheit, die die spirituellen Angelegenheiten des Gebiets verwaltet. Erdgeister sind die niedrigsten Gottheiten in der himmlischen Hierarchie, aber sie sind die am zugänglichsten — ihre Schreine sind überall vorhanden, und ihre Hilfe wird für alltägliche Probleme gesucht.

Die Schreine der Erdgeister sind klein — oft nur eine Steintafel oder eine winzige Struktur an einer Straßenecke. Aber sie werden mit regelmäßigen Opfergaben gepflegt, und ihre Rolle ist bedeutend.

Über den Autor

Götterforscher \u2014 Forscher für chinesische religiöse Traditionen.

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