Chinesische Bestattungsriten: Ein Leitfaden zu den Totengebräuchen
Tod ist kein Ende — Es ist ein Übergang
In der chinesischen Kultur ist der Tod kein Ausgang. Er ist ein Übergang — ein bürokratischer Transfer von der Welt der Lebenden zur Verwaltung der Unterwelt, überwacht von Yanluo Wang (阎罗王 Yánluó Wáng) und verarbeitet durch die Zehn Höhlen der Hölle (十殿阎罗 Shí Diàn Yánluó). Die aufwendigen Bestattungstraditionen, die die chinesischen Totengebräuche umgeben, existieren, um sicherzustellen, dass dieser Übergang reibungslos verläuft, dass der Verstorbene im Jenseits angemessen ausgestattet ankommt und dass die Lebenden ihre Verpflichtungen gegenüber den Toten einhalten.
Die Farbe der Trauer
Bei chinesischen Bestattungen ist die dominierende Farbe Weiß — nicht Schwarz. Weiß (白 bái) ist seit tausenden von Jahren die Trauerfarbe in China und prägt die westliche Assoziation von Schwarz mit dem Tod um Jahrhunderte. Engste Familienmitglieder tragen ungebleichtes weißes Tuch. Je grober der Stoff, desto näher ist die Beziehung zum Verstorbenen.
Rot, die Farbe des Feierns, ist bei Bestattungen strikt verboten. Aus diesem Grund wäre das Überreichen eines roten Umschlags bei einer Bestattung ein katastrophaler sozialer Fehler, und das Tragen von Rot zu einer chinesischen Bestattung gilt nicht nur als unsensibel, sondern aktiv feindlich.
Die Aufbahrung: Wachsamkeit
Der Körper wird traditionell zu Hause oder in einer Taufhalle für eine Aufbahrungszeit von ein bis sieben Tagen aufbewahrt. Während der Aufbahrung:
Räucherstäbchen brennen kontinuierlich. Der Rauch wird geglaubt, die Seele zu leiten und den Raum zu reinigen. Wenn das Räucherstäbchen erlischt, gilt das als schlechtes Omen.
Familienmitglieder wachen abwechselnd. Der Verstorbene sollte nicht allein gelassen werden — teils aus Respekt, teils aus dem Volksglauben, dass ein unbeaufsichtigter Körper umherirrende Geister anziehen könnte.
Buddhistische oder daoistische Mönche können engagiert werden, um Schrifttexte zu rezitieren. Die Rezitation erfüllt einen doppelten Zweck: Sie generiert Verdienst (功德 gōngdé), der auf den Verstorbenen übertragen werden kann, um dessen Reise durch die Unterwelt zu erleichtern, und sie tröstet die Lebenden durch ihre rhythmische Struktur in einer emotional chaotischen Zeit.
Joss-Papier und die Wirtschaft des Jenseits
Das Verbrennen von Joss-Papier (纸钱 zhǐqián) — auch "Geistgeld" genannt — ist vielleicht die auffälligste chinesische Bestattungspraktik. Das Prinzip ist einfach: Das Verbrennen von Papier verwandelt es in spirituelle Währung, die der Verstorbene im Jenseits verwenden kann.
Traditionelle Opfergaben umfassen goldene und silberne Papierbarren. Moderne Opfergaben haben sich erheblich erweitert. In jedem Bestattungsbedarfsgeschäft in Hongkong oder Taiwan kann man Papier-Smartphones, Papier-Handtaschen von Louis Vuitton, Papier-Mercedes-Benz-Autos, Papier-Villen mit Schwimmbädern und Papier-Klimaanlagen kaufen — komplett mit Markenlogos.
Das ist kein Spott. Die Wirtschaft des Jenseits wird ernst genommen. Der Jade-Kaiser (玉皇大帝 Yùhuáng Dàdì) führt eine himmlische Regierung, und die Unterwelt hat ihre eigene Wirtschaft. Die Toten benötigen Geld, Unterkunft und Komfort, genau wie die Lebenden. Dies steht in Verbindung mit Chinesischen Ritualen und Zeremonien: Die heiligen Praktiken, die Himmel und Erde verbinden.
Die Zahl Sieben
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