Chinesische Feste und ihre Götter: Der Kalender der göttlichen Feiern

Chinesische Feste und ihre Götter: Der Kalender der göttlichen Feierlichkeiten

Der heilige Kalender

Der chinesische Festkalender ist nicht nur ein Zeitplan für Feierlichkeiten. Er ist ein Zeitplan für göttliche Interaktionen — bestimmte Daten, an denen spezifische Götter geehrt, beschwichtigt oder gefeiert werden. Um die Feste zu verstehen, ist es notwendig, die Götter dahinter zu begreifen.

Chinesisches Neujahr und der Küchen-Gott (灶神, Zàoshén)

Der Küchen-Gott (灶神, Zàoshén) ist die Gottheit, die das ganze Jahr über jeden Haushalt überwacht. Am 23. Tag des 12. Mondmonats — eine Woche vor dem Neujahr — steigt der Küchen-Gott in den Himmel auf, um dem Jade-Kaiser über das Verhalten der Familie zu berichten.

Familien bereiten sich auf diesen Bericht vor, indem sie das Papierbild des Küchen-Gottes mit Honig oder klebrigem Süßigkeiten bestreichen. Die Logik dahinter ist praktisch: Wenn seine Lippen klebrig sind, kann er nicht klar sprechen, und sein Bericht wird verzerrt — hoffentlich zugunsten der Familie.

Dies ist die chinesische Volksreligion in ihrer transaktionalen Form. Die Gottheit wird nicht aus Liebe oder Ehrfurcht verehrt. Er wird bestochen. Die Beziehung ist ausdrücklich manipulativ, und niemand tut so, als ob es anders wäre.

Mittherbstfest und Chang'e (嫦娥)

Das Mittherbstfest (中秋节) feiert den Vollmond des achten Mondmonats. Die zugehörige Gottheit ist Chang'e (嫦娥), die Mondgöttin, die mit einem Jadekaninchen auf dem Mond lebt.

Der Mythos: Chang'es Ehemann, der Bogenschütze Yi, erlangte einen Elixier der Unsterblichkeit. Chang'e trank es (ob aus Versehen, aus Gier oder um zu verhindern, dass ein Bösewicht es stiehlt — die Versionen variieren) und schwebte zum Mond, wo sie seitdem allein lebt.

Das Fest dreht sich um Wiedervereinigung — Familien versammeln sich, um Mondkuchen zu essen und den Mond zu bewundern. Die Ironie ist, dass die Gottheit, die mit Wiedervereinigung in Verbindung gebracht wird, selbst dauerhaft von ihrem Ehemann getrennt ist. Das Fest feiert das, was Chang'e verloren hat.

Qixi und das Webermädchen (织女, Zhīnǚ)

Qixi (七夕, die siebte Nacht des siebten Monats) ist der chinesische Valentinstag. Es feiert die jährliche Wiedervereinigung des Webermädchens (织女, Zhīnǚ) und des Kuhhirten (牛郎, Niúláng) — sternenkreuzte Liebende, die durch die Milchstraße voneinander getrennt sind und einmal im Jahr, wenn Elstern eine Brücke über den Himmel bilden, zusammentreffen dürfen.

Die Geschichte ist eine Tragödie, die als Romanze verkleidet ist. Die Liebenden sind nur an einer Nacht von 365 zusammen. Den Rest des Jahres sind sie durch ein kosmisches Dekret getrennt. Dieses Fest als Liebesfest zu feiern erfordert eine spezifische kulturelle Haltung zur Liebe: Dass Liebe, die durch Trennung und Sehnsucht definiert ist, romantischer ist als Liebe, die durch tägliche Gemeinschaft definiert ist.

Drachenbootfest und Qu Yuan (屈原)

Das Drachenbootfest (端午节) gedenkt des Todes des Dichters Qu Yuan, der sich im Fluss Miluo ertränkte, nachdem er aus dem Hof von Chu verbannt wurde. Drachenbootrennen stellen die Suche nach seinem Körper dar. Zongzi (Reiswürste) werden in den Fluss geworfen, um seinen Geist zu nähren. Ein tieferer Blick darauf: Das Laternenfest: Wenn Götter unter den Sterblichen wandelten.

Dies ist das einzige große chinesische Fest, das einen Suizid gedenkt. Qu Yuans Tod wird nicht gefeiert — er wird betrauert. Aber er wird als ein Akt des tiefen Glaubens betrauert.

Über den Autor

Götterforscher \u2014 Forscher für chinesische religiöse Traditionen.

Share:𝕏 TwitterFacebookLinkedInReddit